Vom Einstieg ins FPV fliegen – Ein Gastbeitrag

Als ich im Frühjahr 2018 begann, mich mit Multicoptern zu beschäftigen, war mir noch nicht klar, welche Ausmaße das annimmt.
Einstand war eine gebrauchte, bei eBay erworbene DJI Phantom 3 Standard. Tolles Teil, prima Aufnahmen. Großartige Erfahrung beim ersten Abheben, einfach und problemlose Bedienung, genauso wie die folgende DJI Spark – ebenfalls ein gebrauchtes Teil aus eBay für relativ kleines Geld in einem hervorragendem Zustand. Beide nutze ich bis heute zu tollen Landschaftsaufnahmen.

Der erste Race Copter

Im Herbst wuchs das Interesse an Race Coptern. Einige YouTube-Videos gaben den Ausschlag. Den Anfang machte ein Eachine Wizard 220S, fertig gebaut, bereits gebunden mit einer FlySky-Funke. Naiv, wie ich seinerzeit war, schien das alles ganz einfach. Keine Ahnung von Betaflight, ging der LiPo an den Copter, die Fernbedienung angeschaltet, automatisch verbunden und schwups war das Ding in der Luft. Ein erhabener Moment. Aber nicht lange. In Unkenntnis der Handhabung verschwand das Teil im Acro-Modus unkontrolliert zwischen den Weinreben – sehr zum Erstaunen des Bauern, der gerade mit seinem Traktor vorbeifuhr. Die Freude über einen einfachen Start war dahin. Wenigstens hatte ich viel frische Luft und musste viele, viele Meter zurücklegen, um den Wizard zu finden.

Dann halt kleiner

Ok, dachte ich. Was im Großen nicht funktioniert, sollte im Kleinen klappen. In der Folge zogen in mein Büro ein BetaFPV 65 1S, ein BetaFPV 85 1S und der Vollständigkeit wegen ein BetaFPV 65 2S sowie ein BetaFPV 85 2S ein. Nun vollends infiziert und von erfolgreichen Flugversuchen beseelt, fing ich an, mir die ersten Multicopter selber zu bauen. Sehr gute Erfahrung habe ich hier mit mittlerweile zwei Eachine Tyro99 gemacht. Mit F4-Boards und einem 3oder 4S-LiPo ausgestattet, sind die m.E. für Anfänger ein hervorragender Einstieg. Durch den Selbstbau des vollständigen Bausatzes dringt man tiefer in die Materie ein und die Lötkenntnisse aus meinem ersten Beruf als Elektrotechniker kamen mir dabei zu Hilfe.
Des Weiteren folgten zwei Eachine TS215, welche ich auch gebraucht bei eBay gekauft habe. Beide deutlich unter 100 Euro, wenig bis gar nicht geflogen. Nach dem ersten richtigen Crash war eine Revision erforderlich. Also komplett auseinander gebaut, neu verlötet und bestückt, Motoren mit den Originalteilen ersetzt, verrichtet zumindest einer davon bis heute seinen Dienst und dient als Versuchsobjekt bei neuen Flugexperimenten.

Vom Hobby zur Sucht

Mittlerweile wurde aus dem zaghaften Hobby eine Sucht. Ein LDARC 200 GT musste noch her. Geiles Teil. Klein, wendig, ideal für Freestyle. Geht hervorragend mit 4S und den serienmäßigen 2500 KV-Motoren.
Im Frühsommer 2019 folgte ein TBS SOURCE ONE, ebenfalls gebraucht mit einem F4-Board All-in-one von Joshua Bardwell, mit TBS Ethix Mr. Steele Stout Motor V2 1700K und dem TBS Unify Pro Race 5.8 GHz VTX ergibt schon ein gutes Flugbild, auch für einen Anfänger. Very smooth. Und vor drei Wochen war es dann soweit. Dem Marmotte-Hype ebenso verfallen, wie viele andere auch, kam er nach 7 Tagen aus China.

Der Armattan Marmotte.

Ausgerüstet mit einem CL Racing F4S Board, Armattan Underdog 2150 KV Motoren, DShot 30 Amps BLHeli, und TBS Unify Pro 5G8 HV Race VTX und einer Foxeer Predator Mini. Er kam zerlegt in zwei getrennten Sendungen – wegen dem Zoll (was übrigens vollkommen unproblematisch funktioniert hat – war eine Empfehlung des grandiosen Armattan Supports). Ich durfte ihn also noch zusammenbauen. Ein Highlight. Super aufgeräumt. Toll verarbeitet und meines Erachtens jeden Cent wert. Das ist aber nur mein Sonntagsflieger ;-).

Erwähnen sollte ich der Vollständigkeit wegen, dass ich alle Fernbedienungen ausprobiert habe. FlySky, Devo7 und FrSky Taranis QX7. Bei Letzterer bin ich hängengeblieben. Ich finde sie einfach klasse. Einstellungen und Handling – perfekt. Mittlerweile habe ich alle Empfänger auf die Non-EU FrSky-Version umgestellt und fliege nur noch mit der Taranis (ist auch ein Non-EU-Modell). Und mit Betaflight 4.0 bin ich mittlerweile auch bestens befreundet ;-).

Als FPV-Brille nutze ich die FatShark Dominator V3.

Für die Einsteiger

Props off!

So und zum Schluss noch ein paar mahnende Worte an die Einsteiger.
Ich habe mittlerweile schon einige Verletzungen davongetragen. Selber Schuld. Dummheit. Riesenmacken am Schienbein und bleibende Narben im Gesicht.
KEEP YOUR PROPS OFF! Ohne Ausnahme. Und wenn es „nur“ ein BetaFPV 65er ist. Auch der macht böse Macken. Ich habe es auch nicht geglaubt. Aber der Mensch lernt offenbar nur durch Schmerz allein.

Der Mode, der die Spaß macht

Auch nach einem Jahr bin ich immer noch ein Rookie, obwohl ich mittlerweile bei jedem Wetter (außer bei Regen) jeden Tag ein- bis eineinhalb Stunden fliege. Im Gegensatz zu den üblichen Empfehlungen habe ich im stabilisierten Modus angefangen und bin jetzt beim „freien“ Fliegen angekommen. Die ersten Flips and Rolls waren schon ein geiles Erlebnis. Für mich war diese Reihenfolge in Ordnung so. Für jemand anderes mag es vielleicht besser sein, gleich im Acro-Mode zu beginnen. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
Die Hauptsache ist, es macht Spaß. Egal wie.

Geduld, Regeln und LiPo’s =)

Achtet auf eure LiPo‘s. Entsorgt Beschädigte ebenso wie extrem Aufgeblähte. Tipp: Im Freien in einem Metalleimer mit Wasser zwei Tage liegen lassen. Dann sind sie garantiert entladen und ungefährlich. Bitte nicht in die Hausmülltonne! Kauft euch einen LiPo-Case. Der RO-Safety LiPo Tresor – Transport und Ladekoffer von Robbe ist wirklich gut (kann auch gerne ein anderer Lieferant sein). Die handelsüblichen Taschen halten den hohen Temperaturen bei einem Akku-Brand erfahrungsgemäß nur bedingt Stand.

Seid geduldig! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen (höchstens mal ein Flieger). Tägliches Training ist immer noch zu wenig. Schaut euch auf YouTube die Videos an, v.a. die von Joshua Bardwell. Da kann man eine Menge lernen. Und üben, üben, üben. Wer diese eine anstünde pro Tag nicht aufbringen kann, sollte die Finger von dem Hobby lassen. Es ist neben dem Zeitaufwand vor allem irgendwann mal richtig teuer. Das ist schlecht investiertes Geld, wenn man nach drei Monaten und einigen hundert Euro das Zeug in die Ecke wirft.

Haltet euch an die Regeln! Ja, ich weiß. Dann macht es keinen Spaß. Doch. Macht es. Ich habe nach einigem Suchen ein paar geniale Spots in meiner Nähe entdeckt. Oftmals habe ich die Grundstücksbesitzer zufällig getroffen, sie gefragt, ob es für sie ein Problem ist, wenn ich dort fliege und die Antworten haben mich immer wieder überrascht. In jedem Manne steckt ein Spielkind ;-).
Großes Interesse und eine Genehmigung waren die Folge. Da, wo es unzumutbar schwierig wird, eine Genehmigung einzuholen, ist das kein Thema. In einer alten, zum Abriss bereitstehenden Werkhalle muss und kann man meistens niemand fragen. Aber unsere Bauern mögen es verständlicherweise nicht, wenn man auf der Suche nach seinem abgestürztem Copter das Feld niedertrampelt. Also fragen. Fragen kostet nix.

Viel Erfolg und viel Spaß wünscht euch Jürgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.